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Nikitaman - Ahh...loco..? EP / Rootdown Rec. / DE / 2002
Author:
killaswitch
Publishing date: 13.06.2002 00:00
The German deejay, hailing out of Düsseldorf, is presenting his debut EP on Rootdown, the home of German reggae talents. Read the bilingual review...
Nikitaman - Ahh...loco..? / Rootdown Rec. / DE / 2002
English:
Nikitaman is a dancehall performer hailing out of Düsseldorf,Germany. After several 7" releases and compilation features, he finally brings out his first mini-album. "Ahh...loco..?" contains 6 bashment-compatible tracks, about which one can say "all killer no filler". It's one of this seldomly appearing albums where you don't have to skip at least 1-2 tracks - on this one it's a pleasure to hear each of them, and not only once, and even if you don't understand German, which is the language Nikitaman prefers to express himself.
Rootdown Rec. producer T.E.K.A. definetely proves with this one that he can count himself to the best producers outside Jamaica. While the production of the last Rootsdown EP was perhaps not definitely the bashment's taste, on this one T.E.K.A. delivers deluxe digital riddims. How shall I describe his producing style ? It really differs from the recent riddim trends, combining new-school, classic-digital and acoustic elements. Perhaps one could compare it to Ward 21 productions (expecially the riddim of the title tune), but on the other hand the acoustic stuff like the guitar riffs in "Mein Weed" or the bass in "Stell Dir Vor" doesn't really have their equivalents in the recent riddim producing scene. I have to mention the riddim of "Gestatten" aswell, with its great bassline sounding like it comes straight outta King Jammy's table, Sleng Teng style. Nice to hear something like that in 2002...
But enough of the producing, let's talk about the vocalist himself ! The non-German readers won't understand the lyrics anyway, so I just would say the tunes deal with various topics from ganja ("Mein Weed") over reggae-related ("Gestatten") to social critics and anti-war matters ("Stell Dir Vor"). (All German-speaking people might read the german version of the review for more detailed lyrics-related review). Nikitaman as a deejay has a really tight flow, I could even imagine him being the big new discovery of the German dancehall scene. If you keep an eye on the German scene the next time, I'm sure you'll hear more about him. A last thing I really have to mention is track 6, the dub mix of "Mein Weed". I already knew T.E.K.A. is an outstanding reggae/dancehall producer, but I would have never expected a UK-style neodub track from him. Definitely worth checking it out, especially if you are into UK sound á la Iration Steppas or Disciples. All in all, a great EP release which I like even a bit more than the first Rootdown EP. The Germany-based people can be happy getting it in most of the recordstores, the foreign ones have to wait untill the online shop on the Rootdown Records website opens.
German:
Der in Düsseldorf ansässige Nikitaman bringt nach einigen 7" releases und Features auf Samplern sein erstes Mini-Album auf Rootdown Records. "Ahh...loco..?" beinhaltet sechs Bashment-kompatibele Tunes, auf die das Prädikat "all killer no filler" auf jeden Fall zutrifft. Es ist eins der wenigen Alben, wo man nicht zwangläufig Tracks skippen muss, sondern alles am Stück durchhören kann, und das nicht nur einmal.
Fangen wir doch bei der Produktion an. Rootdown's hauseigener Riddimbastler T.E.K.A. liefert hier ein Meisterwerk ab, mit dem er endgültig beweist, dass er sich getrost zu den Top-Produzenten ausserhalb Jamaikas zählen kann. Während seine Produktionsweise auf der letzten Rootsdown EP (Nattyflo - Wochenend' EP) zwar sehr innovativ war, aber doch eher nichts für die Bashment, liefert er hier Digitalriddims vom allerfeinsten ab, die man getrost in einer Hardcore Selection spielen kann. Dennoch folgt er nicht den neusten Riddim-Trends, sondern fährt weiterhin einen sehr individuellen Style, den man schwer mit Vergleichen beschreiben kann. Am ehesten könnte man gewisse Parallelen zu Ward 21-Produktionen ziehen (wie bei "Ahh..loco..?!?"), aber dann kommen wieder diese akustischen Elemente ins Spiel, wie die Gitarrenriffs bei "Mein Weed" oder der Basslauf bei "Stell Dir Vor", wo man nicht wirklich etwas äquivalentes dazu in der heutigen Riddim-Landschaft finden kann. Andererseits findet man Anklänge an digitale Classics, wie bei "Gestatten", wo die Bassline geradezu nach einem Sleng Teng 2002 schreit.
Doch nun zum eigentlichen Hauptakteur der Platte. Nikitaman überzeugt eignetlich rundherum - die Stimme, der Flow und die Lyrics stimmen. Wie oft habe ich mich schon bei deutschsprachigen Produktionen, wie gut sie auch immer produziert waren, über oberflächliche, nichtssagende oder einfach nur schlechte Lyrics geärgert - bei dieser Produktion war es ganz das Gegenteil. Der Titeltune "Ahh..loco..?!?" besteht auf den ersten Blick nur aus einer Reihe wirrer Fragen, aber ist der Tune wirklich nur "loco" ? Zwischen Fragen wie "Was wiegt mehr - Kilo Federn oder Kilo Blei?" kommt Nikitaman auf den Punkt: "Warum hat Deutschland eignetlich soviel Polizei ? Ich hab 'ne Meinung aber ist sie wirklich frei ?". Vielleicht wird es mal die einzige Art sein, im wachsenden Law-And-Order-Staat Dancehall mit Message zu machen. Hoffentlich dauert es noch lange bis dahin - Nikitaman hat jedenfalls schon mal die Strategie parat.
"M&N" ist ein sehr smoothes Duett mit Mono, einer Female Deejay, über die man hier mehr nachlesen kann. Beide überzeugen absolut - guter Flow, dynamische Aufteilung von Parts...
Über "Mein Weed" muss man wohl nicht viel sagen. Präsent sowohl auf der Dancehallfieber-Compilation als auch auf der zweiten Riddim-Mag CD, müsste der Tune jedem im Ohr sein. Es ist sozusagen Nikitamans Publikums-Debüt, und bestimmt kein schlechtes.
"Gestatten" setzt sich mit dem Verständnis von Reggae in Deutschland und der Rezeption des deutsch(sprachig)en Reggae auseinander - ein Thema, was für die Szene von absoluter Relevanz ist. Nikitaman bezieht klare Position: "Es gibt Leute die hören deutschen Reggae und lästern / dann mach ihn halt aus und lebe im gestern". Auch wenn ich nicht 100% hinter allem stehe was auf deutscher Sprache im Dancehall abgeht - Nikitaman gehört sicher nicht zu denen über die man lästern müsste. Vor allem nicht bei diesem Tune, der für mich ganz klar den Höhepunkt der EP darstellt. Sehr basslastiger Digi-Riddim, ein Flow der höchstens bei Ward 21 seinesgleichen findet, klare Aussagen...
Der fünfte Tune, "Stell Dir Vor", findet sicherlich durch seine Anti-Kriegs-Message viel Zuspruch in den Medien, doch ist er für mich definitiv eine, wenn auch keine gravierende, Schwachstelle in der Platte.Wenn auch die Message stimmt, so sind die Reime doch irgendwie nicht so flüssig wie bei dem Rest der Tunes - ein Refrain, der mit der Doppelzeile "Das Leben ist schön ja ja / ich könnt' mich dran gewöhn'n ajagajagaja" aufhört, kann mich flowmäßig nicht wirklich überzeugen. Auch der Riddim sagt mir nicht wirklich zu, aber das liegt vielleicht daran, dass ich zu sehr Purist bin, um dieses Extrem-Merge von Roots- und Digital-Elementen nachzuvollziehen. Aber nur um es nochmal klarzustellen: schlecht ist der Tune auf keinen Fall, nur halt meiner Meinung nach nicht so gut wie der Rest.
Tune Nummer 6 ist eine absolute Überraschung. Ich wusste schon lange, dass T.E.K.A. in Sachen Dancehall-Riddims die Nase weit vorn hat, aber ich hätte nie gedacht, dass er auch zu so einem UK-Dub Kracher fähig ist, der locker mit Neodub-Größen wie Disciples oder Iration Steppas mithalten kann. Mehr davon !
Alles in allem auf jeden Fall eine absolut lohnenswerte Platte, die mich wie keine andere deutschsprachige Produktion überzeugt hat. Ich bin sicher, wir werden von Nikitamann noch einiges zu hören bekommen.
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