Claat.com Reggae Network recommends:



Gerd Gummersbach interviewed



Author: killaswitch
Publishing date: 18.09.2003 15:00




Cla.at: Pow Pow sind ja damals auch so langsam hochgekommen. Wie war denn das Verhältnis Dreadbeat - Pow Pow? Wann habt ihr das erste mal erste mal voneinander etwas mitbekommen?

GG: Es war so: Nachdem Dreadbeat ein paar mal lief, gab es so ein Stammpublikum, was relativ häufig da war. Die zwei, die jedes Mal da waren, und die im Rose Club immer hinten links in einer Ecke standen, waren Devon und seine Frau, die Gabi. Und vorne im Thekenbereich dann häufiger Ingo und Alfred. Manchmal war dann auch Chicken dabei, und Scope, der dann später einige Jahre bei mir gejobbt hat. Im Prinzip Leute, die dann noch sehr lange in irgendeiner Weise aktiv waren, sah man da. Die Pows haben dann so um 1990 herum angefangen, Partie`s zu machen und starteten ihre Dinger, inklusive der legendären Poller-Wiesen-Parties.

Cla.at: Ingo hat mir mal von einer Art Clash gegen Dreadbeat in Wermelskirchen erzählt. Was ist denn Deine Sicht der Dinge darauf, was ist da abgelaufen?

GG: Ich habe den Abend jetzt eigentlich gar nicht so detailliert im Kopf, ich hatte vorher schon zweimal in Wermelskirchen aufgelegt und dann wurden wir halt mal beide gebucht. Dass das jetzt so ein offensiver Clash gewesen sein soll, ist mir nicht mehr so präsent. Was dem Ingo anscheinend total entfallen ist, ist die Tatsache, dass es mal einen offiziellen Clash Dreadbeat vs. Pow Pow im Petit Prince gab.

Cla.at: Und wie ging dieser Clash aus?

GG: Ich fand, dass es ein sehr lustiger Abend war. Ansonsten müsstest du den Ingo noch mal fragen.

Cla.at: Wann hat sich Dreadbeat aufgelöst und was machen die einzelnen Leute jetzt?

GG: Also im Prinzip ging dann Dreadbeat mit der ordnungsamtlichen Schließung des Rose Club zuende, und weil auch die drei Leute dann ihren beruflichen oder sonstigen Lebensweg gegangen sind. Ich habe dann noch ein paar Mal mit Jörg Follert in einem Club in der Nähe vom Rudolfplatz aufgelegt, aber die Bedingungen waren so beschissen, dass ich schnell die Lust verloren habe.

Cla.at: 1992 hast Du dann ja Deinen legendären Laden aufgemacht, Music Works. War da der Schwerpunkt von vorne herein auf Reggae festgelegt?

GG: Nee. Die Definition war, dass es ein Laden für "Black Music" ist.

Cla.at: Und was wäre wiederum die Definition von Black Music?

GG: Die Definition wäre das gewesen, was der Landen repräsentierte, nämlich Soul, Funk, Jazz, Reggae und Hip Hop, also all das, was für mich ordinär "Black Music" ist vom Genre her. Natürlich hatte ich von vorne herein die Frage im Hinterkopf, was sich mit einem Reggae-Sortiment in diesem unseren Deutschland machen lässt, aber es war überhaupt nicht abzusehen, dass es in der zweiten Hälfte der 90er Jahre so einen Boom erlebt. Das hätte ich mir nicht träumen lassen. Single-Bezug war ja auch, bis Soundquake mit ihrem Großhandel an den Start gingen, ein massives Problem. LPs vom Bezug her nicht so, aber Singles war das klassische Elend, da ein vernünftiges Angebot an den Start zu kriegen. Heute wirst du als Händler eher zugeschissen mit Platten die man so kaufen könnte, von denen man aber teilweise nicht weiß, ob sie eine Daseinsberechtigung haben.

Cla.at: Und woher hast Du die Singles bezogen, aus England?

GG: Nee, ich hatte dann immer so Links zu Leuten, die von Jamaica aus was schickten, aber dann auch nicht so nah dran waren. Leute, die nicht in Kingston lebten, sondern einmal die Woche in Town waren und dann eben für mich mit eingekauft haben. Und auch meine Urlaube, und dann gab es immer so zwei Rucksäcke voller Singles. Dann gab's in Kneipen auch mal so Verkaufsabende... Aus Jamaica zurückgekommen mit den Singles, die Singles dann 2-3 Tage unter Verschluss gehalten, jeder in Köln und außerhalb wusste Bescheid. Man ging in die Kneipe und dann wurden die Singles wie im jamaikanischen Plattenladen kurz angespielt, und die Leute haben sich dann ihre Single-Stapel auf der Theke gebaut. Beim ersten mal gab's dann fast eine Schlägerei zwischen zwei Kandidaten. Die Singles wurden immer nach Riddim`s angespielt, und wenn der erste Tune gespielt wurde, haben sich dann immer mehrere Leute gleichzeitig entschieden, den Rest der Selection auch zu kaufen. Das heißt, du hast den zweiten Tune gespielt, und bevor der erste Ton kam, hat dann schon einer "Hier!" gerufen. Dann haben nach dem Prinzip schon drei "Hier!" gerufen, du hattest zum Teil aber nur zwei Copies!.

Cla.at: Music Works hat sich ja zu einer Top-Anlaufstelle für Reggae entwickelt. Wie kam es, dass Du dann doch im Dezember 2002 schließen musstest?

GG: Rein ökonomische Geschichte. Die Umsatzentwicklung war unerfreulich, diverses im Single-Bereich hat sich dann in Richtung Internet verschoben. Außerdem habe ich den Laden 10 Jahre gemacht, und vielleicht sollte man ab und zu einen Change im Leben vollziehen.

Cla.at: Was wohl alle interessieren würde, was ist mit dem Plattenbestand von Music Works passiert?

GG: Der Mietvertrag lief zum Ende letzten Jahres (02) aus, und ich habe mir im Laufe des Sommers überlegt, ob weitermachen oder nicht weitermachen...
Als der Entschluss dann kam, zu schließen, habe ich bereits beim Einkauf die Bremse angelegt, und als ich dann einen Monat vor Schließung gestreut habe, dass ich schließe, sind einfach noch unglaublich viele Leute vorbeigekommen, um den finalen Einkauf zu tätigen. Das heißt, es ist unglaublich wenig übriggeblieben. Es sind vielleicht noch 2 laufende Meter LPs, mehr ist da nicht übrig geblieben.

Cla.at: Meinst Du, dass Music Works als "Institution" in der deutschen Musiklandschaft etwas dauerhaftes hinterlassen hat? Was hast du mit dem Laden bewegt?

GG: Ich gehe mal davon aus, dass ich da gar nichts bewegt habe. Es gab einfach die 10 Jahre, in denen es den Laden gab, den konnten die Leute dann je nach Interessenlage nutzen oder eben halt auch nicht nutzen als Informationsquelle. Jetzt ist es vorbei, und es ist ja nicht so, als bekämst du keine Tunes mehr oder könntest dich nicht irgendwie informieren. Die Struktur mag eine andere geworden sein, aber es ist ja nicht so, dass es plötzlich dunkel wird in Deutschland. Außerdem ist er in weiteren 10 Jahren nur noch eine Erwähnung wert, eine Fußnote in einer Entwicklung, aber mehr auch nicht. Ich möchte mich oder den Landen da nicht zu wichtig nehmen, auch wenn er es für manche gewesen ist.

Cla.at: Der Laden war ja vor allem für die exzellente Beratung bekannt. Wie wichtig war dir neben dem puren Verkauf der Kontakt zu den Kunden und die Vermittlung von Knowledge?

GG: Ja gut, was soll ich dazu sagen... Das würde ich von jedem Plattenladen erwarten. Das ist gerade bei dem Grad an Spezialisierung eine Selbstverständlichkeit, nicht nur eine Platte einzutüten und Geld abzunehmen, sondern wenn einer was wissen will, ihm auch eine Auskunft zu geben. Community-Gedanke.

Cla.at: Und was ist die Motivation für dich, dich nun hin und wieder hinter die Plattenteller zu stellen? Auch eine Art Knowledge-Vermittlung?

GG: Nee, überhaupt nicht. Es ist dann einfach so, das wenn eine Veranstaltungsreihe einen bestimmten Charakter hat, auch wenn ich da selber vorher noch nie gewesen bin, dann informiere ich mir im Vorfeld was da für ein Publikum sein könnte, was da in der Regel aufgelegt wird, und passe mich dem halt an und schustere eine Kiste zusammen, die ich dahin mitnehme. Auch wenn es Stücke gibt, die ich immer wieder gern auflege, packe ich meine Plattentasche immer wieder neu, weil ich kein Bock habe, immer mit so "Sets" unterwegs zu sein, die ich dann quasi immer spiele. Das soll kein Diss sein gegen Leute die es so machen, ich denke mal, wenn du sehr regelmäßig auflegst, geht das eh nicht anders. "Wieder auflegen" ist eigentlich so nicht ganz richtig, weil es auch über die Music-Works-Jahre hinweg nie so gewesen ist, dass ich nicht aufgelegt habe, nur halt selten in Köln.



  Show this page in print-optimized View  Printer-friendly page  




<< Previous page | 1 | < 2 > | 3 | 4 | Next page >>


 


Claat.com © 2001-2007 - All rights reserved | Impressum
Powered by eZ publish™ Open Source Content Management System.

Valid XHTML 1.0!   Valid CSS!    [Valid RSS]    Browse Happy: Switch to a safer browser today